unsere kleine Welt

Ich sitze am Bürotisch, die Kamera läuft, das Mikrofon ist an und die Unterlagen für die Geschäftsleitungssitzung von Morgen sind auf dem rechten Bildschirm ersichtlich. Gleich wird sich auf dem linken mein Chef melden und mit mir ein paar Punkte für das Meeting von Morgen durchgehen. Schon erstaunlich, ich komme gerade vom Abendessen und warte - ausser auf meinen Chef - auf die Tagesschau am Abend. Er wiederum hat - Moment, ich rechne - aktuell gerade 13 Uhr. Aufgrund der grossen Verspätung wird er im Anschluss an unseren Videocall erst zu Mittag essen. Und in Hawaii wird sich Isabel gerade so langsam aus dem Bett herausquälen und in den ersten Schultag der Woche stürzen.

Sie ist klein geworden unsere Welt. Zeit spielt eine ganz andere Rolle als früher, Nachrichten verbreiten sich schneller als der Wind und man unterhält sich im Extremfall mit Personen, für die der heutige Tag noch gar nicht begonnen hat. Ganz augenfällig ist das jeweils an Silvester: da sieht man Mittags Bilder aus Sydney, welches sich dann sogar bereits in einem anderen Jahr befindet als wir hier in der Schweiz. Irgendwie beängstigend, oder? Was, wenn das nicht nur in Bezug auf die Zeit so wäre? Was, wenn das auch in Bezug auf unsere Realität der Fall wäre? Vielleicht ist es gar so? Gibt es eine Realität, in der Palästinenser und Israelis friedlich nebeneinander leben? Eine, in der die Ukraine und Russland eine friedliche Koexistenz leben? Eine, in der die Menschheit nicht ständig am Ast sägt, auf dem sie sitzt?

Wunschdenken vielleicht. Aber irgendwie auch ein schöner Gedanken, dass es für alle denkbaren Varianten unseres Lebens eine eigene Realität geben könnte. Und zugleich auch eine beängstigende, weil es dann vermutlich auch eine ganze Reihe davon geben würde, in denen alles noch viel schlechter abläuft als gerade jetzt, in dieser einen Realität die wir gerade durchleben. Vielleicht sollte man nicht gar so weit denken, sondern einfach diese eine Realität geniessen - und hoffen, dass das eine oder andere oben beschriebene sich doch irgendwann noch erfüllt. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, sagt man...

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